Hotline: 0711 / 5047 9416

Naturerlebnisse

.

Vom Schwarzwald zum Rhein

Eine Reise entlang des Neckars ist eine Reise durch eine Vielfalt der Natur- und Landschaftsformen. Hier kann man eine Menge erleben – und einiges lernen. Zum Beispiel über die Europäische Hauptwasserscheide: Dort, wo der Neckar entspringt, im Schwenninger Moos, teilt sie die Flusslandschaften Mitteleuropas in zwei Hälften. Der eine Teil fließt Richtung Nordsee und Rhein, der andere nach Süden in die Donau und schließlich ins Schwarze Meer.

Der Neckar entscheidet sich für den Norden und arbeitet sich vom Schwarzwald bis ins Rheintal vor. Als zaghaftes kleines Flüsschen, das zwischen Streuobstwiesen und dunklen Wäldern langsam Fahrt aufnimmt. Gespeist von Nebenflüssen wie der Schlichem, deren Wasser durch eine malerische Klamm fließt.

Tümpel und Stauseen säumen den Weg und das keineswegs nur dort, wo die moderne Zivilisation ihn sich selbst überlassen hat: In vielen Bereichen wurde der Neckar renaturiert und stückweise zurückverwandelt in jenes wilde Gewässer, dem er seinen keltischen Namen verdankt. „Neckar“, der böse, schnelle Fluss.

Renaturierung, Parks und Naturparke

Ein leuchtendes Beispiel sind dabei die Zugwiesen bei Ludwigsburg, ein ehemals landwirtschaftliches Areal am Ufer, das nun ein Biotop für Vögel und Fische ist. Ein herrlicher Platz zum Rasten und Genießen! Die Oasen der Natur werden wieder größer zwischen den intensiv genutzten Flusskilometern der Bundeswasserstraße, in die sich der Neckar ab Plochingen verwandelt.

Bis dahin hat er den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord gestreift, den Schönbuch bei Tübingen und das Albvorland hinter sich gelassen. Arbeitet sich durch den Löss und Muschelkalk der Weinberge zwischen Stuttgart und Heilbronn hindurch, um schließlich im Buntsandstein des Naturparks Neckar-Odenwald anzukommen.

Die Wasserscheide und ihre Geologie

Mächtig sind die Felsenwände, die links und rechts durch den Wald lugen, ein schöner Kontrast zu den gepflegten Gärten des Blühenden Barock, die man im Schlosspark von Ludwigsburg gerade noch erleben durfte. Der schnelle Wechsel von Natur- und Kulturlandschaften, von Dörfern und Städten macht den besonderen Reiz aus, in den Mineralbädern von Bad Cannstatt hatte man zuvor sogar Gelegenheit, die geologischen Besonderheiten der Region hautnah zu erleben.

Am Ende wartet der Rhein auf den Neckar, bereit sein Wasser in sich aufzunehmen und mit auf die Reise an die Nordsee zu nehmen. Aber das war ja im Schwenninger Moos schon klar, wo die Wasserscheide die Fließ- und die Fahrtrichtung vorgab.


Kaiser, König, Bettelmann

.

Ritterliches Neckartal

Majestätisch breiten die Adler ihre Schwingen aus, setzen zum Rundflug über das Neckartal an und landen vor den Augen des staunenden Publikums auf dem Falkner-Handschuh ihres Herrn. Die Greifvogelschau auf Burg Guttenberg gehört zu den großen Spektakeln im nördlichen Neckartal.

Ein Stück Mittelalter inmitten der Moderne, präsentiert von einer Adelsfamilie, die dort seit 600 Jahren ihren Sitz hat. Baron Bernolph von Gemmingen nebst Gattin lassen bitten. Ein paar Burgen weiter, in Hornberg, wohnt sein Vetter Eberhard, in eben jenen Gemäuern, die einst dem berühmten Götz von Berlichingen gehörten.

Das Neckartal nördlich von Heilbronn ist von Burgen gesäumt. Besonders viele sind es zwischen Eberbach und Heidelberg, auf fast jedem Felsen thront hier eine.

 

Adel, Schlösser und Burgen

 

Wer das Mittelalter liebt, sollte auch Horb einen Besuch abstatten. Besonders dann, wenn dort die Ritterspiele stattfinden. Dann lagern Landsknechte am Flussufer und stolze Recken wagen den Ritt durchs Feuer. Dazu gibt es Essen und Trinken wie einst, dargereicht von Menschen, die den Ton der Zeit treffen.

Es ist so leicht, am Neckar mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Besonders kommunikativ ist die Türmerin von Bad Wimpfen, die dort tatsächlich in luftiger Höhe lebt. Doch auch die Hofdame in Ludwigsburg gibt bereitwillig Auskunft: In der ehemaligen Prachtresidenz der Herzöge von Württemberg werden immer wieder Kostümführungen veranstaltet. Die Schlösser in Heidelberg und Mannheim erzählen von der Residenzgeschichte der Fürsten in der Kurpfalz. Vor allem Heidelberg ist ein Inbegriff der Romantik, Tausende von Touristen und Studenten wissen diese besondere Umgebung bis heute zu schätzen.

 

Kirchen, Klöster und Kapellen

 

Immer wieder säumen auch Kapellen und Kirchen den Neckartalradweg. Das katholische Münster in Villingen macht den Anfang, doch das evangelische Schwenningen folgt sogleich. Die große Stiftskirche von Tübingen ist ebenso protestantisch wie der Dom in Rottenburg katholisch ist. Glaubensgräben in unmittelbarerer Nachbarschaft, über die heute freilich ökumenische Brücken führen.

Einen besonderen Reiz für Reisende machen die Kapellen aus. Ein paar von ihnen sind buchstäbliche Highlights: Auf den Hügeln rund ums Neckartal erfreuen die Grabkapelle auf dem Württemberg bei Stuttgart und die Wurmlinger Kapelle in der Nähe von Tübingen das Auge des Betrachters.

Da kann man dann schon mal einen Gang herunterschalten und den Fluss für ein paar Stunden links oder rechts liegen lassen.


 
 

Stadtgeschichten

.

Das Land der Dichter und Lenker

Seit über 60 Jahren ist Baden-Württemberg ein Bundesland. Seine landsmannschaftlichen Besonderheiten sind freilich überall noch präsent, in den Dialekten, Traditionen und gegenseitigen Frotzeleien. Auf dem Neckartalradweg erlebt man seine ganze Bandbreite. Beginnend mit der Doppelstadt Villingen-Schwenningen, deren erster Teil einst badisch war, der zweite hingegen württembergisch. Eine Frühform von Multikulti, mit allerlei Kuriositäten für das Zusammenleben bis zum heutigen Tage. Es gibt in dieser Stadt zwei katholische Diözesen und evangelische Landeskirchen, getrennte Fußball- und Leichtathletikverbände.

 

Altes Fachwerk und moderne Technik

 

Der größte Teil der Radstecke führt durch schwäbisch-württembergische Lande. Mit Fachwerkstädten, die pittoresker nicht sein könnten: Das alte Rottweil zum Beispiel, mit 2000 Jahren Geschichte die älteste Stadt des Landes. Seit Kurzem hat sie eine topmoderne Attraktion: Den 246 Meter hohen Thyssen-Krupp-Turm mit der höchsten Besucherplattform Deutschlands und einem Hightech-Testcenter für Aufzüge.

In Oberndorf geht es beim Narrensprung hoch her, in den Zentren der schwäbisch-alemannischen Fasnet wird das Brauchtum mit wachsender Begeisterung gepflegt. Tübingen wiederum ist eine Hochburg der Wissenschaft, der Forscher und Denker. Mit einer Jahrhunderte alten Universität, die das Leben der quirligen Studentenstadt bis heute prägt.

 

 Literatur, Lebenslust und Brauchtum

 

Wie Perlen an einer Kette sind die historischen Städte am Neckarufer aufgereiht: Auf Tübingen folgt Nürtingen und auf Nürtingen Esslingen. Erhaben ist die Lage von Marbach, wo einst der Dichterfürst Friedrich Schiller das Licht der Welt erblickte und ein Museum seine Lebensgeschichte erzählt.

Allmählich werden die schwäbischen Einflüsse dann schwächer: Heilbronn ist eigentlich schon Frankenland und nach Bad Wimpfen klingt das alles schon reichlich Kurpfälzisch, was die Leute reden. Kurpfalz heißt bis heute die Region um Heidelberg, mit ihrem melodiösen Sing-Sang erinnert die Mundart daran, dass sie einst weder zu Baden noch zu Württemberg gehörte.

Zum Neckar freilich gehört sie schon immer.  Der hat auf seiner Zielgeraden dann noch einmal richtig viel Stadt- und Industriegeschichte zu bieten:  Was in Stuttgart der Daimler, ist in Mannheim der Benz. Dort steht auch das Technoseum, eine große Industrieausstellung, die die moderne Seite des Landes beleuchtet.

Schließlich wurde auch das Fahrrad in Mannheim erfunden. Den ganzen Neckar hat Karl Drais 1817 nicht geschafft, aber immerhin 14 Kilometer in Richtung Rheinau und zurück. Die historische Strecke ist beschildert und kann heute nachgeradelt werden.


 
 

Kulinarik

.

Köstliches aus dem Neckartal

 

Ob im Biergarten, im Gasthaus oder Restaurant: Im Neckartal lässt sich nicht nur das Land erleben, sondern auch schmecken. Während die Wirte im schwäbischen Teil Spezialitäten wie Maultaschen und Spätzle servieren, gibt es bei den Kollegen in und um Heidelberg, wo sich badische und Pfälzer Küche treffen, oft Kartoffeln, Spargel und Kastanien. Die Gerichte lassen sich in gemütlichen Landgasthöfen genießen, aber man findet unterwegs auch gehobene Restaurants und sogar etliche Sterneköche im Neckartal.

Eine Rast in schöner Umgebung ist ein besonderes Vergnügen: Eine Pause mit Blick aufs Wasser oder in einer der Fachwerkstädte, zu denen neben Rottweil, Tübingen, Esslingen, Marbach und Heidelberg auch viele kleine Orte zählen. Dort laden Marktplätze dazu ein, inmitten der historischen Kulisse Platz zu nehmen.

 

Einzigartige Streuobstlandschaft

 

Zwischen Horb und Esslingen breitet sich eine der größten zusammenhängenden Streuobstlandschaften Europas aus. Sie ist ein Gewinn für den Natur- und Artenschutz – und insbesondere im Frühling eine Augenweide, wenn sich die Wiesen in ein Blütenmeer verwandeln. Nach der Ernte liefern die Früchte köstliche Säfte, Brände und Fruchtaufstriche. Sie werden in Gastronomie- und Hotelleriebetrieben serviert und man kann sie in den zahlreichen Hofläden kosten und kaufen.

Während um Rottenburg und Tübingen nur vereinzelt Weinberge zu entdecken sind, prägen sie später die Landschaft im Neckartal. Das beginnt in Esslingen, wo auch die erste Sektkellerei Deutschlands gegründet wurde. Wer sich Zeit nimmt für eine Führung im Hause Kessler, lernt neben den verschiedenen Tropfen auch den weit verzweigten Weinkeller kennen.

 

Weinberge prägen das Bild

 

Von Esslingen bis Heilbronn dominiert der württembergische Weinbau. Deshalb folgt auch der württembergische Weinradweg hier ein Stück dem Neckartal-Radweg. Unterwegs lassen sich eindrucksvolle Steillagen entdecken. Auf ihren Terrassen gedeihen Lemberger, Spätburgunder, Riesling und andere Rebsorten. Was für ein Erlebnis, wenn man einmal selbst eine der steilen Weinbergstaffeln erklimmen kann!

Genug Pausen sollten Radfahrer einplanen, um die regionalen Tropfen in den Vinotheken der Genossenschaften und Weingüter zu verkosten und in einer der urigen Besenwirtschaften einzukehren. Das gilt natürlich auch für die badischen Weinbaugebiete, die man erreicht, nachdem man das älteste Weingut des Landes passiert hat: Burg Hornberg, wo schon der legendäre Götz von Berlichingen Weinbau betrieb.

Unterwegs kommen aber nicht nur Weinliebhaber auf ihre Kosten: Im Neckartal arbeiten außerdem etliche Brauereien – vom kleinen Gasthof mit eigenem Bier bis zum überregional bekannten Hersteller. Damit auch der Radler sein Radler genießen kann.


 
 

Mobilität

.

Von den Flößern zur modernen Schifffahrt

 

Wo der Neckar noch schmal ist, sind auf dem Wasser nur Kanus und Schlauchboote unterwegs. Manchmal trainieren Ruderer auf dem Fluss und zum Stadtbild von Tübingen gehören die berühmten Stocherkähne: Früher war das Vergnügen nur Studentenverbindungen vorbehalten, doch seit vielen Jahren können auch Ausflügler eine Fahrt in einem der flachen Boote unternehmen, die mit langen Stangen durchs Wasser bewegt werden.

Zwischen Plochingen und dem Verkehrsknotenpunkt Mannheim machen die vielen großen Schiffe deutlich, dass der Fluss nicht nur eine malerische Kulisse, sondern auch ein wichtiger Verkehrsweg ist. Da gibt es zahlreiche Ausflugsschiffe, in denen Passagiere den Blick aufs Flusstal genießen. Man kann auch samt Fahrrad zusteigen und sich ein Stück des Wegs mitnehmen lassen. Vor allem aber nutzen Lastkähne den Neckar, der neben dem Rhein die wichtigste Bundeswasserstraße in Baden-Württemberg ist.

 

Der Fluss als Transportweg

 

Schon vor Jahrhunderten wurde er als Transportweg genutzt: Auf kleineren Marktschiffen waren Händler unterwegs – und vom Frühling bis in den Herbst hinein die Flößer, die Tannen und Fichten bis zum Rhein transportierten, von wo sie weiter bis nach Holland verfrachtet wurden. „Deutschland ist im Sommer der Gipfel der Schönheit, aber niemand hat das höchste Ausmaß dieser sanften und friedvollen Schönheit begriffen, wirklich wahrgenommen und genossen, der nicht auf einem Floß den Neckar hinabgefahren ist“, schwärmte Mark Twain. In den Beschreibungen seiner Europareise 1878, die den amerikanischen Schriftsteller auch nach Heidelberg führte, schildert er eine Floßfahrt auf dem Neckar. Er hat sie gerade noch rechtzeitig unternommen: Ende des 19. Jahrhunderts kam die Eisenbahn, damit war auch am Neckar die Zeit der Flößer vorbei.

 

Die Staustufen sind heute Kulturdenkmäler

 

Heute finden sich größere Hafenanlagen in Plochingen, Stuttgart, Heilbronn und Mannheim. Unterwegs ist der Fluss von Staustufen und Schleusenkammern unterbrochen – technische Bauwerke aus den 1920er-Jahren, die dank ausgewählter Materialien und besonderer Architektur inzwischen als Kulturdenkmäler gelten.

Im Laufe der Zeit sind manche Hafenflächen überflüssig geworden und haben Platz geschaffen für Neues, wie zum Beispiel in Heilbronn. Früher war der Fluss nur bis dorthin schiffbar, dann musste das Transportgut auf die Schiene verfrachtet werden. Auf dem einstigen Güterumschlagplatz, der lange Zeit brach lag, befindet sich nun das Heilbronner Bundesgartenschaugelände: Hier gibt es nicht nur jede Menge Grün zu bestaunen, sondern auch einen neu entwickelten Stadtteil mit vielen innovativen Bauwerken.

 


 
 
Geschäftsstelle Neckartal-Radweg  •  Reinsburgstr. 97    70197 Stuttgart    Tel. 0711/50479416    Fax 0711/50479419  •  E-Mail schreiben »